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Was sind die häufigsten Fehler bei der Paßform des
Sattels? |
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Am
häufigsten sind zwei Fehler zu beobachten. Sehr oft wird
über den Sattel mehr oder weniger Druck auf die
Wirbelsäule übertragen. Dies darf auf keinen Fall geschehen.
Stellen Sie sich
vor, etwas würde Ihnen kräftig ins Kreuz drücken
und Sie sollten Kniebeugen machen. Alleine der Druck auf
Wirbel und die Zwischenräume ist schon sehr
unangenehm und zudem blockieren wir dadurch alle natürlichen
Bewegungsabläufe.
Der zweite
Fehler, der sehr oft zu beobachten ist, sind
Sättel, die die Schulter einzwängen und dadurch die
Bewegungsfreiheit des Schulterblattes und der damit
zusammen-hängenden Muskulatur
beeinträchtigen.
Andere häufig
vorkommende Fehler sind vor allem von der Art des Sattels abhängig.
Vor allem Westernsättel sind häufig zu lang oder zu kurz für den Rücken
und neigen dadurch zur Brückenbildung und üben an den
falschen Auflagestellen sehr großen Druck aus.
Bei klassischen
Dressur- oder
Springsätteln findet man dagegen häufig eine unbrauchbare oder
durchgerittene Aufpolsterung. Die so entstehende
ungleichmäßige Auflage oder lokale Unebenheiten führen
früher oder später zu Satteldruck.
Wundern wir uns als Reiter,
wenn unser Pferd unter solchen Bedingungen den Rücken nicht
"losläßt"? Oder mit Kopfschlagen,
Schweifschlagen, Taktunreinheiten oder langfristig
mit Verspannungen und ernsten Rückenproblemen
reagiert?
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Welchen Einfluß hat die Satteldecke auf die Paßform des
Sattels? |
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Bei klassischen Sätteln
wird als Unterlage häufig eine
anatomisch geformte, d. h. eine in der Rückenpartie geschwungene dünne
oder nur leicht gepolsterte Satteldecke verwendet.
Damit ergeben sich selten Probleme.
Häufig
sieht man jedoch
auch in der Rückenpartie gerade geschnittene Schabracken.
Diese sind zwar optisch vorteilhaft, durch das
Sattelblatt werden diese Sattelunterlagen beim Reiten
aber häufig straff auf den Rücken gezogen und
üben dadurch Druck auf die Wirbelsäule aus.
Bei
Springreitern weit verbreitet sind ist das zusätzliche
"Springkissen", schmale Polsterkissen direkt im
Bereich der Sattellage. Diese können zwar schockartige
Kräfte bei der Landung ein im geringen Umfang abdämpfen,
üben aber bei voller Rückenbelastung (also beim Reiten
ohne "leichten Sitz") einen erhöhten Druck auf die
Wirbelsäule aus.
Für den Westernsattel sind die typischen
- dick gepolsterten
- Pads eine unverzichtbare
und gute Möglichkeit, kleine Fehlpassungen des Sattels
auszugleichen. Wichtig dabei ist aber, daß die Watte
immer wieder auf korrekten Sitz und die richtige Konsistenz
überprüft wird. Westernpads werden in der Regel leider viel
zu lange verwendet (Durchbrechen der Wattefasern und
damit ungenügende Dämpfung).
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Wie kann ich mit dem
Satteltester die Paßform des Sattels
beurteilen? |
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Die Meßmatte des
Satteltesters wird wie eine normale
Sattelunterlage direkt auf
den Pferderücken unter das normale
Sattelzeug gelegt und kann somit die Kräfte, die durch den Sattel,
die Satteldecke oder druch das Gewicht des Reiters ausgeübt
werden, sowie die dynamischen Kräfte aus der Bewegung
punktgenau visualisieren. Die Druckwerte werden über
eine Datenfunkverbindung auf einen Rechner weitergeleitet
und dort in einem farbigen
Diagramm dargestellt. Die jeweilige Farbe an jedem speziellen
Druckpunkt ist dabei einer zuvor festgelegten Druckintensität zugeordnet.
Dabei bedeuten hellgrüne Farbtöne relativ geringen Druck und tiefrote Farbwerte
relativ hohen Druck. Durch die Verteilung der Farbwerte
auf dem Diagramm lassen sich Rückschlüsse auf die
Druckverteilung im gesamten Bereich der Sattel-Auflagefläche ziehen.
Im Idealfall haben wir im
Bereich der
Wirbelsäule
überhaupt keine oder nur ganz geringe Kräfteeinwirkungen und
im übrigen Bereich der Sattellage - bei gerade gerichtetem
Pferd - eine sehr gleichmäßige
Druckverteilung.
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Warum ist es so wichtig
die Paßform in der Bewegung zu beurteilen? |
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Statische
Messungen können keine realistischen Aussage zur Paßform
des Sattels "in Aktion" leisten. Das wäre - um im Bild
zu bleiben - so ähnlich, als würden Sie ein paar neue
Wanderschuhe ausschließlich im Liegen anprobieren. Eben:
Nicht gerade aussagekräftig!
Ein
Sattel, der im Stehen auf der Stallgasse, ohne
Gewichtsbelastung, ohne Aktion des Pferdes scheinbar
einwandfrei sitzt, kann in der Bewegung und unter dem
Gewicht des Reiters plötzlich erhebliche Probleme
bereiten.
Erstens verändert sich die Form des
Pferderückens in der Bewegung fortwährend durch den
Knochen- und Muskelapparat. Das Schulterblatt wandert
nach vorne und nach hinten, die Muskeln spannen sich an
und entspannen wieder usw.
Zweitens verändert sich die gesamte
Anatomie des Pferdes durch das Reiten in der
Versammlung. Der Rücken hebt sich an, das Pferd verkürzt
sich, die Muskelpartien werden breiter und
dicker.
Der
Reiter übt durch Gewicht und einen "aktiven" Sitz
(aktive Einwirkung durch "Kreuz" und
Schwerpunktverlagerung...) wechselnde Kräfte auf den
Pferderücken aus, die natürlich auch Auswirkungen auf
die Sattellage haben.
Eine wirklich sinnvolle Beurteilung kann also nur in der
Bewegung
stattfinden.
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Warum ist in den
Satteltester eine Kamerafunktion
integriert? |
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Die Druck- oder Krafteinwirkung auf
dem Pferderücken wird nicht nur durch die Paßform des
Sattels, der Sattelunterlage und dem Gewicht des Reiters
hervorgerufen. Auch der Sitz des Reiters, seine Hilfen
und auch die Stellung des Pferdes spielen natürlich eine
maßgebliche Rolle. Bei der Interpretation
der Kräftebilder ist es also wichtig, zu sehen, was
die Einheit aus Reiter und Pferd in der jeweiligen Situation macht.
Während eine zur Wirbelsäule symmetrische
Druckverteilung auf der Geraden richtig ist, ist die
einseitige Druckverteilung in der Wendung oder beim Schenkelweichen sogar
unbedingt notwendig.
Die parallel gespeicherte
Aufzeichnung der Kamera ermöglicht zu jedem Zeitpunkt
den Rückschluß vom abstrakten Druckverteilungsbild zur
gleichzeitigen Aktion von Reiter und Pferd. Diese
Funktion ist unerläßlich, wenn - gemeinsam mit dem
Reiter - nachträglich eine gemeinsame Auswertung und
Problemerörterung vorgenommen werden soll.
Übrigens ein interessanter Aspekt
für professionelle Ausbilder: Wo sonst habe ich die
Möglichkeit, dem Reitschüler seine Sitzfehler ähnlich
eindrucksvoll und verständlich zu präsentieren und damit
nachhaltig zu
korrigieren? Oder positiv formuliert: Die richtige
und wirkungsvolle Einwirkung durch Kreuz und Gewicht -
sogar für den blutigen Anfänger -
glasklar sichtbar und nachvollziehbar werden zu
lassen???(s.u.)
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Warum gibt der
Satteltester keine absoluten Druckwerte
aus? |
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Meine Frau
und ich reiten mit demselben Sattel dasselbe Pferd. Ich
wiege aber ca. 40 kg mehr als meine Frau. Trotzdem darf
der Sattel bei keinem von uns beiden unzulässige Drücke
auf den Pferderücken übertragen.
Für die Entwicklung der
Meßmatte war eine sehr flache Bauform von
oberster Priorität.
Nur so kann eine möglichst geringe Beeinflussung der
Meßergebnisse durch die Meßmatte selbst gewährleistet
werden.
Die Messung ist also relativ zu sehen. Solange eine
gleichmäßige, weitgehend symmetrische Druckverteilung
und eine freie Wirbelsäule zu erkennen sind, ist es für
die Paßform des Sattels fast gleichgültig ob 230 mm
Quecksilbersäule oder 471 mm Quecksilbersäule wirken.
Diese Aussage bezieht sich
explizit nur auf die Paßform des Sattels nicht auf die
Belastbarkeit eines
Pferdes.
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Welche Anzeichen für
Satteldruck kann ich selbst erkennen? |
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Schon vor dem Entstehen eines
offenen Satteldrucks gibt es deutlich wahrnehmbare
Warnzeichen, daß der Sattel nicht optimal paßt und
dadurch Probleme verursacht.
Das beste
Anzeichen ist u. a. das
Verhalten Ihres Pferdes beim Satteln oder auch beim
Reiten. Reagiert Ihr Pferd
empfindlich, wenn Sie es auf dem Rücken putzen? Reagiert
Ihr Pferd bereits unwirsch, wenn Sie mit dem Sattel
darauf zugehen? Steht es unruhig, wenn Sie den Sattel
auflegen oder den Gurt anlegen (Sattelzwang, Gurtzwang)?
Auffallend sind auch ein
Durchdrücken des Rückens beim Aufsteigen, ein festgehaltener,
verspannter Rücken beim Reiten, Schweifschlagen oder auch Taktfehler,
Unwilligkeit oder Widersetzlichkeiten. Beobachten Sie
Ihr Pferd feinfühlend und genau. Häufig tauchen mehrere
Anzeichen gleichzeitig auf.
Auffällige
Anzeichen sind häufig auch
nach dem Reiten zu beobachten. Das „Schweißbild" auf
der Sattellage kann wertvolle Indizien für Satteldruck
geben. Gibt es inmitten von schweißnassem Fell
trockene Flecken? Bekommt Ihr Pferd in der Sattellage
weiße Haare? Auch das können Indizien für einen schlecht
passenden Sattel sein.
Fragen Sie im Zweifelsfall Ihren
Tierarzt.
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Wie kann sich dauerhafter
Satteldruck auswirken? |
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Genauso
wie wir Menschen bei einem
auftretenden Schmerz versuchen, diesem auszuweichen,
nehmen auch Pferde eine Schonhaltung ein. Dies führt
in aller Regel zunächst zu Verspannungen, weil der
Muskelapparat nicht auf diese „unnatürliche"
Körperhaltung ausgelegt ist. Diese Fehlhaltung kann sich
auf unterschiedliche Art und Weisen auf den
komplizierten Muskel- und Knochenapparat auswirken.
Auf Dauer bildet das Pferd verstärkte Muskelpartien, die in der
normalen Bewegung hinderlich sind. Diese dauerhaften Fehlhaltungen können
dann zu Unrittigkeit, Taktunreinheiten oder sogar
zu partieller und/oder vollkommener
Lahmheit, oder ähnlichem führen.
Sind
solch massiven Folgen bereits eingetreten, kann nur
langwierige Gymnastizierung (z. Bsp. an der Longe mit
entsprechenden Hilfszügeln) und das Abstellen der
Schmerz auslösenden Faktoren (hier der unpassende
Sattel) eine Besserung mit sich
bringen.
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Wenn der Sattel nicht
passt, muß ich dann unbedingt einen neuen
kaufen? |
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Nicht unbedingt. Schauen Sie
ruhig mal in unseren Vermessungsbeispielen nach! Es gibt
viele Fälle, in denen nicht der Sattel, sondern
die Sattelunterlage die Ursache für unzulässige
Druckstellen sind. Gerade im Westernbereich sind häufig sehr alte
Pads zu finden. Diese sind mit Watte gepolstert, die
mit der Zeit zerbricht. Die Watte kann so nicht mehr
richtig dämpfen, weil die sonst langen Fasern nur noch in
kleinen Bruchstücken vorliegen. Gerade bei Wattepads empfiehlt es
sich, sie von Zeit zu Zeit auf Ihre Konsistenz hin
zu überprüfen.
Selbst ein teurer, maßgefertigter
Dressursattel (oder Springsattel..) "ermüdet" nach einer
gewissen Zeit - die Polsterung
sollte in regelmäßigen Abständen kontrolliert und bei Bedarf vom Fachmann
nachgepolstert werden.
Bei klassischen Sätteln werden außerdem häufig im Wirbelsäulenbereich gerade geschnittene Schabracken verwendet. Dies kann je nach Sattel und je nach Rückenform des Pferdes ebenfalls zu Problemen führen.
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Wie lässt sich der
Satteltester für den Reitunterricht
einsetzen? |
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Es gibt unterschiedliche Theorien,
wie das Gewicht des Reiters eingesetzt werden soll.
Manche sagen das Pferd würde dem Gewicht weichen,
manche sagen das Pferd versucht unter den gemeinsamen
Schwerpunkt von Pferd und Reiter treten. In jedem
Fall aber spielen Gewichtsverlagerungen und der gezielte
Einsatz der Sitzhöcker bzw. des Kreuzes eine große Rolle
in allen Arten der Reiterei. Durch die
Auswertung des Druckbildes lässt sich auch eine Aussage
über die Art und Weise der Gewichtshilfe treffen.
Wo sonst habe ich die
Möglichkeit, dem Reitschüler seine Sitzfehler ähnlich
eindrucksvoll und verständlich zu präsentieren und damit
nachhaltig zu korrigieren? Oder positiv formuliert: Die
richtige und wirkungsvolle Einwirkung durch Kreuz und
Gewicht - sogar für den blutigen Anfänger - glasklar
sichtbar und nachvollziehbar werden zu
lassen???
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