December 9, 2016, 2:26 pm
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    ZUSAMMENARBEIT FÜR DIE MEDIZINISCHE SATTELLEHRE
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Was sind die häufigsten Fehler bei der Paßform des Sattels?

Am häufigsten sind zwei Fehler zu beobachten. Sehr oft wird über den Sattel mehr oder weniger Druck auf die Wirbelsäule übertragen. Dies darf auf keinen Fall geschehen. 
Stellen Sie sich vor, etwas würde Ihnen kräftig ins Kreuz drücken und Sie sollten Kniebeugen machen. Alleine der Druck auf Wirbel und die Zwischenräume ist schon sehr unangenehm und zudem blockieren wir dadurch alle natürlichen Bewegungsabläufe. 

Der zweite Fehler, der sehr oft zu beobachten ist, sind Sättel, die die Schulter einzwängen und dadurch die Bewegungsfreiheit des Schulterblattes und der damit zusammen-hängenden  Muskulatur beeinträchtigen.


Andere häufig vorkommende Fehler sind vor allem von der Art des Sattels abhängig. Vor allem Westernsättel sind häufig zu lang oder zu kurz für den Rücken und neigen dadurch zur Brückenbildung und üben an den falschen Auflagestellen sehr großen Druck aus. 
Bei klassischen Dressur- oder Springsätteln findet man dagegen häufig eine unbrauchbare oder durchgerittene Aufpolsterung. Die so entstehende ungleichmäßige Auflage oder lokale Unebenheiten führen früher oder später zu Satteldruck.

Wundern wir uns als Reiter, wenn unser Pferd unter solchen Bedingungen den Rücken nicht "losläßt"? Oder mit Kopfschlagen, Schweifschlagen, Taktunreinheiten oder langfristig mit Verspannungen und ernsten Rückenproblemen reagiert?

Welchen Einfluß hat die Satteldecke auf die Paßform des Sattels?

Bei klassischen Sätteln wird als Unterlage häufig eine anatomisch geformte, d. h. eine in der Rückenpartie geschwungene dünne oder nur leicht gepolsterte Satteldecke verwendet. Damit ergeben sich selten Probleme. 
Häufig sieht man jedoch auch in der Rückenpartie gerade geschnittene Schabracken. Diese sind zwar optisch vorteilhaft, durch das Sattelblatt werden diese Sattelunterlagen beim Reiten aber häufig straff auf den Rücken gezogen und üben dadurch Druck auf die Wirbelsäule aus. 

Bei Springreitern weit verbreitet sind ist das zusätzliche "Springkissen", schmale Polsterkissen direkt im Bereich der Sattellage. Diese können zwar schockartige Kräfte bei der Landung ein im geringen Umfang abdämpfen, üben aber bei voller Rückenbelastung (also beim Reiten ohne "leichten Sitz") einen erhöhten Druck auf die Wirbelsäule aus.


Für den Westernsattel sind die typischen - dick gepolsterten - Pads eine unverzichtbare und gute Möglichkeit, kleine Fehlpassungen des Sattels auszugleichen. Wichtig dabei ist aber, daß die Watte immer wieder auf korrekten Sitz und die richtige Konsistenz überprüft wird. Westernpads werden in der Regel leider viel zu lange verwendet (Durchbrechen der Wattefasern und damit ungenügende Dämpfung).

Wie kann ich mit dem Satteltester die Paßform des Sattels beurteilen?

Die Meßmatte des Satteltesters wird wie eine normale Sattelunterlage direkt auf den Pferderücken unter das normale Sattelzeug gelegt und kann somit die Kräfte, die durch den Sattel, die Satteldecke oder druch das Gewicht des Reiters ausgeübt werden, sowie die dynamischen Kräfte aus der Bewegung  punktgenau visualisieren. 
Die Druckwerte werden über eine Datenfunkverbindung auf einen Rechner weitergeleitet und dort in einem farbigen Diagramm dargestellt. Die jeweilige Farbe an jedem speziellen Druckpunkt ist dabei einer zuvor festgelegten Druckintensität zugeordnet. Dabei bedeuten hellgrüne Farbtöne relativ geringen Druck und tiefrote Farbwerte relativ hohen Druck. Durch die Verteilung der Farbwerte auf dem Diagramm lassen sich Rückschlüsse auf die Druckverteilung im gesamten Bereich der Sattel-Auflagefläche ziehen. 
Im Idealfall haben wir im Bereich der Wirbelsäule überhaupt keine oder nur ganz geringe Kräfteeinwirkungen und im übrigen Bereich der Sattellage - bei gerade gerichtetem Pferd - eine sehr gleichmäßige Druckverteilung.

Warum ist es so wichtig die Paßform in der Bewegung zu beurteilen?

Statische Messungen können keine realistischen Aussage zur Paßform des Sattels "in Aktion" leisten. Das wäre - um im Bild zu bleiben - so ähnlich, als würden Sie ein paar neue Wanderschuhe ausschließlich im Liegen anprobieren. Eben: Nicht gerade aussagekräftig!

Ein Sattel, der im Stehen auf der Stallgasse, ohne Gewichtsbelastung, ohne Aktion des Pferdes scheinbar einwandfrei sitzt, kann in der Bewegung und unter dem Gewicht des Reiters plötzlich erhebliche Probleme bereiten.

Erstens verändert sich die Form des Pferderückens in der Bewegung fortwährend durch den Knochen- und Muskelapparat. Das Schulterblatt wandert nach vorne und nach hinten, die Muskeln spannen sich an und entspannen wieder usw. 

Zweitens verändert sich die gesamte Anatomie des Pferdes durch das Reiten in der Versammlung. Der Rücken hebt sich an, das Pferd verkürzt sich, die Muskelpartien werden breiter und dicker.

Der Reiter übt durch Gewicht und einen "aktiven" Sitz (aktive Einwirkung durch "Kreuz" und Schwerpunktverlagerung...) wechselnde Kräfte auf den Pferderücken aus, die natürlich auch Auswirkungen auf die Sattellage haben.

Eine wirklich sinnvolle Beurteilung kann also nur in der Bewegung stattfinden.

Warum ist in den Satteltester eine Kamerafunktion integriert?

Die Druck- oder Krafteinwirkung auf dem Pferderücken wird nicht nur durch die Paßform des Sattels, der Sattelunterlage und dem Gewicht des Reiters hervorgerufen. 
Auch der Sitz des Reiters, seine Hilfen und auch die Stellung des Pferdes spielen natürlich eine maßgebliche Rolle. 
Bei der Interpretation der Kräftebilder ist es also wichtig, zu sehen, was die Einheit aus Reiter und Pferd in der jeweiligen Situation macht. 
Während eine zur Wirbelsäule symmetrische Druckverteilung auf der Geraden richtig ist, ist die einseitige Druckverteilung in der Wendung oder beim Schenkelweichen sogar unbedingt notwendig.  

Die parallel gespeicherte Aufzeichnung der Kamera ermöglicht zu jedem Zeitpunkt den Rückschluß vom abstrakten Druckverteilungsbild zur gleichzeitigen Aktion von Reiter und Pferd. Diese Funktion ist unerläßlich, wenn - gemeinsam mit dem Reiter - nachträglich eine gemeinsame Auswertung und Problemerörterung vorgenommen werden soll.

Übrigens ein interessanter Aspekt für professionelle Ausbilder: Wo sonst habe ich die Möglichkeit, dem Reitschüler seine Sitzfehler ähnlich eindrucksvoll und verständlich zu präsentieren und damit nachhaltig zu korrigieren? Oder positiv formuliert: Die richtige und wirkungsvolle Einwirkung durch Kreuz und Gewicht - sogar für den blutigen Anfänger - glasklar sichtbar und nachvollziehbar werden zu lassen???(s.u.)

 

Warum gibt der Satteltester keine absoluten Druckwerte aus?


Meine Frau und ich reiten mit demselben Sattel dasselbe Pferd. Ich wiege aber ca. 40 kg mehr als meine Frau. Trotzdem darf der Sattel bei keinem von uns beiden unzulässige Drücke auf den Pferderücken übertragen.

Für die Entwicklung der Meßmatte war eine sehr flache Bauform von oberster Priorität. Nur so kann eine möglichst geringe Beeinflussung der Meßergebnisse durch die Meßmatte selbst gewährleistet werden.


Die Messung ist also relativ zu sehen. Solange eine gleichmäßige, weitgehend symmetrische Druckverteilung und eine freie Wirbelsäule zu erkennen sind, ist es für die Paßform des Sattels fast gleichgültig ob 230 mm Quecksilbersäule oder 471 mm Quecksilbersäule wirken. 
Diese Aussage bezieht sich explizit nur auf die Paßform des Sattels nicht auf die Belastbarkeit eines Pferdes.

Welche Anzeichen für Satteldruck kann ich selbst erkennen?

Schon vor dem Entstehen eines offenen Satteldrucks gibt es deutlich wahrnehmbare Warnzeichen, daß der Sattel nicht optimal paßt und dadurch Probleme verursacht.

Das beste Anzeichen ist u. a. das Verhalten Ihres Pferdes beim Satteln oder auch beim Reiten. 
Reagiert Ihr Pferd empfindlich, wenn Sie es auf dem Rücken putzen? Reagiert Ihr Pferd bereits unwirsch, wenn Sie mit dem Sattel darauf zugehen? Steht es unruhig, wenn Sie den Sattel auflegen oder den Gurt anlegen (Sattelzwang, Gurtzwang)? Auffallend sind auch ein Durchdrücken des Rückens beim Aufsteigen, ein festgehaltener, verspannter Rücken beim Reiten, Schweifschlagen oder auch Taktfehler, Unwilligkeit oder Widersetzlichkeiten. Beobachten Sie Ihr Pferd feinfühlend und genau. Häufig tauchen mehrere Anzeichen gleichzeitig auf.

Auffällige Anzeichen sind häufig auch nach dem Reiten zu beobachten. Das „Schweißbild" auf der Sattellage kann wertvolle Indizien für Satteldruck geben. 
Gibt es inmitten von schweißnassem Fell trockene Flecken? Bekommt Ihr Pferd in der Sattellage weiße Haare? Auch das können Indizien für einen schlecht passenden Sattel sein. 

Fragen Sie im Zweifelsfall Ihren Tierarzt.

Wie kann sich dauerhafter Satteldruck auswirken?

Genauso wie wir Menschen bei einem auftretenden Schmerz versuchen, diesem auszuweichen, nehmen auch Pferde eine Schonhaltung ein. 
Dies führt in aller Regel zunächst zu Verspannungen, weil der Muskelapparat nicht auf diese „unnatürliche" Körperhaltung ausgelegt ist. Diese Fehlhaltung kann sich auf unterschiedliche Art und Weisen auf den komplizierten Muskel- und Knochenapparat auswirken. 
Auf Dauer bildet das Pferd verstärkte Muskelpartien, die in der normalen Bewegung hinderlich sind. Diese dauerhaften Fehlhaltungen können dann zu Unrittigkeit, Taktunreinheiten oder sogar zu partieller und/oder vollkommener Lahmheit,  oder ähnlichem führen. 
Sind solch massiven Folgen bereits eingetreten, kann nur langwierige Gymnastizierung (z. Bsp. an der Longe mit entsprechenden Hilfszügeln) und das Abstellen der Schmerz auslösenden Faktoren (hier der unpassende Sattel) eine Besserung mit sich bringen.

Wenn der Sattel nicht passt, muß ich dann unbedingt einen neuen kaufen?

Nicht unbedingt. 
Schauen Sie ruhig mal in unseren Vermessungsbeispielen nach! 
Es gibt viele Fälle, in denen nicht der Sattel, sondern die Sattelunterlage die Ursache für unzulässige Druckstellen sind.  Gerade im Westernbereich sind häufig sehr alte Pads zu finden. Diese sind mit Watte gepolstert, die mit der Zeit zerbricht. Die Watte kann so nicht mehr richtig dämpfen, weil die sonst langen Fasern nur noch in kleinen Bruchstücken vorliegen. 
Gerade bei Wattepads empfiehlt es sich, sie von Zeit zu Zeit auf Ihre Konsistenz hin zu überprüfen.

Selbst ein teurer, maßgefertigter Dressursattel (oder Springsattel..) "ermüdet" nach einer gewissen Zeit - die Polsterung sollte in regelmäßigen Abständen kontrolliert und bei Bedarf vom Fachmann nachgepolstert werden. 
Bei klassischen Sätteln werden außerdem häufig im Wirbelsäulenbereich gerade geschnittene Schabracken verwendet. Dies kann je nach Sattel und je nach Rückenform des Pferdes ebenfalls zu Problemen führen.

Wie lässt sich der Satteltester für den Reitunterricht einsetzen?

Es gibt unterschiedliche Theorien, wie das Gewicht des Reiters eingesetzt werden soll. 
Manche sagen das Pferd würde dem Gewicht weichen, manche sagen das Pferd versucht unter den gemeinsamen Schwerpunkt von Pferd und Reiter treten. 
In jedem Fall aber spielen Gewichtsverlagerungen und der gezielte Einsatz der Sitzhöcker bzw. des Kreuzes eine große Rolle in allen Arten der Reiterei. 
Durch die Auswertung des Druckbildes lässt sich auch eine Aussage über die Art und Weise der Gewichtshilfe treffen.

Wo sonst habe ich die Möglichkeit, dem Reitschüler seine Sitzfehler ähnlich eindrucksvoll und verständlich zu präsentieren und damit nachhaltig zu korrigieren? Oder positiv formuliert: Die richtige und wirkungsvolle Einwirkung durch Kreuz und Gewicht - sogar für den blutigen Anfänger - glasklar sichtbar und nachvollziehbar werden zu lassen???